Naturschutzgebiet 6 „Maulbeerinsel“

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Angeln im Naturschutzgebiet:

Im Naturschutzgebiet „Maulbeerinsel“ darf ganzjährig geangelt werden (schwarz markierte Punktlinie).

    Infos zum Naturschutzgebiet 6: „Maulbeerinsel“

    Die Maulbeerinsel liegt in unmittelbarer Nähe des Zentrums der Stadt Mannheim. Sie bildet den nördlichsten Teil des kombinierten Natur- und Landschaftsschutzgebietes. Das Naturschutzgebiet „Maulbeerinsel“ hat eine Größe von 10,3 ha und wird im Osten durch die alte Riedbahnbrücke, im Norden durch das Unterwasser der Schleuse Feudenheim des Neckarkanals und im Süden durch den Neckar begrenzt.

    Die eiszeitlichen Flusssedimente erreichten eine Mächtigkeit von 382 m. Deutlich unterscheiden sich die Sedimente von Neckar und Rhein. Grob- und mittelkiesig aus den Bestandteilen des Buntsandsteines und des Muschelkalks breiten sie sich als Neckarflusssedimente nach Nordwesten bis 16 km vor die Mündung des Neckars aus. Feinere Schotter und Sande des Rheins charakterisieren das Bild der Maulbeerinsel. Typisch sind Komponente alpiner Herkunft, wie dunkelrote Radiolarithe sowie graue, rötliche, gelbliche und weiße Quarze.

    Weniger ökologische Gesichtspunkte als kulturhistorische Aspekte waren entscheidend für die Ausweisung der Maulbeerinsel als Naturschutzgebiet. Neben einer Vielzahl von Ruderalpflanzen, mit einer starken Strauch- und Baumschicht, fallen die 30 Maulbeerbäume besonders ins Auge. Der aus Asien stammende weiße Maulbeerbaum (Morus alba) zeugt von der einst im 19. Jahrhundert in Europa betriebenen Seidenspinnerei. Die Raupe des Seidenspinners benutzt die Blätter des Maulbeerbaumes zur Nahrung. Bei der Verpuppung spinnt die Raupe einen Kokon aus einem in sich verschlungenen kilometerlangen Faden, der der Herstellung der bis heute teuren Seide dient. Das Gewerbe der Seidenspinnerei lässt sich bis zum Jahre 2700 v. Chr. zurückverfolgen. Seit dieser Zeit ist die Kultur des Maulbeerbaumes und die Zucht des Seidenspinners in China beheimatet. Die Griechen waren es um das Jahr 500 v. Chr., die unter Lebensgefahr die Eier des Schmetterlings nach Griechenland schmuggelten. Von dort breitete sich dieses Gewerbe bis ins Mittelmeergebiet aus. Jedoch im 17. Jahrhundert gelangte die Pflanze und der Seidenspinner nach Mitteleuropa.

    Dem Nationalökonomen Becher ist es zu verdanken, dass im nordbadischen Raum unter der Regierung Karl Ludwigs (1648-1680) die Zucht des Seidenspinners eingeführt wurde. Zwischen Heidelberg und Schwetzingen sind in der Abfolge um das Jahr 1728 eine Maulbeerbaumallee entstanden und eine „Seidenwürmfabrique“ gegründet worden. In Fronarbeit leistete die Bevölkerung ihren Dienst im Seidenanbau. Ab 1778 wurden in der Pfalz jährlich 50.000 Maulbeerbäume angepflanzt. Trotz alledem blieb die Seidenproduktion unwirtschaftlich. Hohe finanzielle Zuschüsse, Proteste der Bauern wegen der Verdrängung der Landwirtschaft zugunsten der Maulbeerpflanzung und die Auflehnung der Bevölkerung gegen den Frondienst entluden sich in der Französischen Revolution von 1789. Viele Baumkulturen wurden zerstört.

    Doch mit der Eingliederung des rechtsrheinischen Teils der Pfalzgrafschaft in das Großherzogtum Baden wurde ein letzter Versuch der Wiederbelebung der Seidenspinnerei 1808 unternommen. Unter dem Protektorat der Großherzogin Stephanie entstand 1817 auf der Gemarkung Mannheim die in Resten heute noch vorhandene Maulbeerbaumkultur im jetzigen Naturschutzgebiet. In den 30er Jahren dieses Jahrhunderts wurden diese Maulbeerbaumbestände nach der Fertigstellung des Neckarkanals auf ihren heutigen Stand ergänzt.

    Die ordnungsgemäße Ausübung der Sportfischerei ist im Naturschutzgebiet Maulbeerinsel ganzjährig möglich.

    Quelle: „Natur- und Landschaftsschutzgebiete“, Bezirksstelle für Naturschutz und Landschaftspflege Karlsruhe